Kettenrauchend zum Marathon?!

Ein Buch und ein Blatt Papier mit der "persönlichen Erklärung": Laut Allen Carr reicht das vollkommen aus, um vom Raucher zum Nichtraucher zu mutieren.

Ein Buch und ein Blatt Papier mit der „persönlichen Erklärung“: Laut Allen Carr reicht das vollkommen aus, um vom Raucher zum Nichtraucher zu mutieren.

Kann man als ehemalige Kettenraucherin einen Marathon laufen? Was bringt es, mit dem Rauchen aufzuhören und mit dem Laufen anzufangen? Macht einen die eine Zigarette, die man in einem schwachen Moment dann doch geraucht hat, sofort wieder zum Nikotin-Junkie? Und ab wann darf man sich eigentlich selbst als „Nichtraucher“ bezeichnen?

Als 16-Jährige habe ich mich zu meiner ersten Zigarette hinreißen lassen und wurde umgehend abhängig von den Glimmstängeln. Soweit, so altbekannt und nichts wirklich Neues. Die Erkenntnis, dass ich jedoch mehr als die Hälfte meines Lebens dieser Sucht frönte (und dabei täglich mehr als 20 Zigaretten verrauchte), hat mich dann aber doch eiskalt erwischt und so habe ich am 4. August 2013 beschlossen, ein für allemal mit dem Rauchen aufzuhören. Wirklich enorm dabei geholfen hat mir der Klassiker von Allen Carr, „Endlich Nichtraucher!“, den mir liebe Freunde bereits vor einigen Jahren geschenkt hatten – in der Hoffnung, dass ich es wohl irgendwann einmal lesen würde. Und auch wenn Allen Carr zahlreiche Kritiker hat (und das Buch zugegebenermaßen in einem recht reißerischen Stil geschrieben ist), so lohnt es sich durchaus, das Buch zu lesen. Denn wie so viele andere Raucher auch, hatte ich auch bereits einige erfolglose Aufhörversuche hinter mir und im wahrsten Sinne des Wortes nichts zu verlieren.

Die „persönliche Erklärung“
Das Besondere an der Allen-Carr-Methode ist, wie leicht es einem nach der Lektüre tatsächlich fällt, mit dem Rauchen aufzuhören – gesetzt natürlich den Fall, man setzt sich bewusst mit sich selbst und dem Inhalt auseinander. Spreche ich heute – ein halbes Jahr später – mit anderen über das Buch, so fällt es vielen, die es ebenfalls gelesen haben, schwer, eine Begründung zu finden, warum die Methode wirkt. Das liegt in erster Linie darin begründet, dass jeder Raucher seine ganz persönlichen Gründe dafür hat, warum er raucht. Der erste Schritt, zu dem Allen Carr auffordert ist es deshalb, eine „persönliche Erklärung“ abzugeben. Darin sollen sämtliche individuellen Gründe für den Wunsch aufzuhören angeführt werden, ebenso wie die ganz persönlichen Gründe, warum es trotzdem so schwer fällt. Meine „persönliche Erklärung“ umfasste insgesamt acht Punkte: 5 Punkte warum ich aufhören wollte und 3 Gründe, wegen derer ich trotzdem rauchen wollte. Im Nachhinein betrachtet, muss ich hinzufügen, dass die Gründe, die mich zu einer Zigarette greifen ließen, doch etwas vielschichtiger waren, als sie mir zu diesem Zeitpunkt erschienen, doch das ist eine andere Geschichte. Im Verlauf der Lektüre muss man sich als LeserIn mit jedem einzelnen Punkt auf der „persönlichen Erklärung“ auseinandersetzen – bis man schließlich zu dem Schluss kommt, dass alle die Gründe, warum man rauchen möchte, eigentlich keine wirklichen Gründe sind. Ob das zu glauben ist? Das muss jeder für sich selbst herausfinden. In meinem Fall war die absurde Erkenntnis – dass ich im Prinzip nur deshalb eine Zigarette rauche, um im Anschluss daran wenigstens für zehn Minuten einmal nicht ans Rauchen denken zu müssen –  der ausschlaggebende Grund, es sein zu lassen.

Die Angst vor dem Zunehmen
Ein besonderes Kapitel, das „Endlich Nichtraucher – für Frauen“ enthält, bezieht sich auf die altbekannte Angst davor, an Gewicht zuzulegen, während man mit dem Rauchen aufhört – zugegebenermaßen auch eine Frage, die mich ebenfalls beschäftigt hatte. Viele RaucherInnen werden mir darin zustimmen, dass das Verlangen nach einer Zigarette (etwa nach dem Essen etc.) jenem Gefühl frappant ähnlich ist, das man empfindet, wenn man wirklich sehr, sehr hungrig ist – vergleichbar mit dem Gefühl, das man nach einem mehrstündigen Meeting mit nichts als Kaffee und Mineralwasser im Bauch hat. In beiden Fällen hat man das dringende Bedürfnis, jetzt und sofort zu rauchen (bzw. zu essen), man reagiert gereizt und äußerst sensibel. Es mag simpel klingen: Doch sobald man einmal verstanden hat (und das war bei mir nach der Lektüre des Buches definitiv der Fall), dass der Körper die anfänglichen Entzugserscheinungen nach Nikotin mit dem Hungergefühl verwechselt, hat man die freie Wahl, ob man dem scheinbaren Bedürfnis nachgibt – oder nicht. Glücklicherweise halten die Entzugsbeschwerden auch nur ein paar Tage an und sind dann überstanden – eine Gewichtszunahme lässt sich mit dieser Erkenntnis tatsächlich umgehen!

Zusätzliche Motivation durch Apps
Seitdem ich mit dem Rauchen aufgehört habe, läuft auf meinem Handy die kostenlose App „Aha!Rauchfrei“, die die individuellen Rauchgewohnheiten erfasst und in regelmäßigen Abständen über die eigenen Erfolge informiert. Auf einen Blick erfährt man so jederzeit, wie viele Zigaretten man nicht geraucht und wie viel Geld gespart wurde. Vor allem der gesparte Betrag, der sich bei mir (nach einem halben Jahr als Nichtraucherin) bereits im vierstelligen Bereich bewegt, motiviert enorm und ist eine schöne Gedankenstütze.

„Ist doch nur eine einzige Zigarette!“
Doch was tun, wenn man einen Rückfall erleidet und sich selbst in einem schwachen Moment plötzlich mit einer Fluppe in der Hand wiederfindet? Nun, ich will ehrlich sein, auch ich hatte bereits Rückschläge zu verkraften. Doch auch in diesem Fall hilft das Buch von Allen Carr ungemein (das ich in solchen Momenten immer wieder mal durchblättere, um mich daran zu erinnern, warum ich aufgehört habe). Man soll sich keineswegs von schlechten Tagen entmutigen lassen und einfach konsequent weiter nicht rauchen. Sich selbst gegenüber ehrlich zu bleiben und nicht in alte Verhaltensmuster zurückzufallen, ist der wichtigste Punkt, den es zu beachten gilt. Denn: eine einzige Zigarette macht zwar noch keinen Raucher, aber es ist der erste Schritt, (wieder) einer zu werden.

Und was ist jetzt mit dem Marathon?
Ich bin jetzt knapp über 25 Jahre alt 😉 und habe in meinem Kopf eine kleine Bucket-List angelegt (vielleicht traue ich mich irgendwann mal, sie auch öffentlich zu machen) – ein Punkt darauf ist jedenfalls, dass ich einmal in meinem Leben einen echten Marathon laufen möchte. Wer mich kennt, der weiß allerdings, dass ich erst im September 2013 mit dem Laufen begonnen habe und dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist (über die Fortschritte dorthin werde ich in einem anderem Blogpost berichten). Mein nächster Meilenstein auf dem Weg dorthin ist deshalb zunächst der österreichische Frauenlauf, der am 25. Mai in Wien stattfindet und dessen 10-Kilometer-Marke meinen ersten Sieg markieren wird.

Auf der Bucket-List ganz oben: Ein Marathon!

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3 Gedanken zu “Kettenrauchend zum Marathon?!

  1. Erstens einmal – Super, dass du mit dem Rauchen aufgehört hast. Das mit der Aha App ist eine tolle Idee. Man spart wirklich viel (Gesundheit und Geld). Nun wegen dem Rauchen und Marathon laufen. Das geht ganz gut. Ich kenne da schon so ein paar Leute die viel Rauchen und so auch vor dem Marathon eine Zigarette rauchen, den Marathon laufen und sich danach gleich wieder eine anstecken. Besser ist es wahrscheinlich schon ohne, aber es geht 😉 So, und ich finde es ist nie zu früh für einen Marathon. Ich habe bis zu meinem ersten auch nur knapp ein Jahr trainiert. Fit sein ist das eine. Aber sich fit fühlen und überzeugt sein den Marathon zu Ende zu bringen, das ist das wichtigste. Den Marathon läuft man mit dem Kopf zu Ende. Der Körper möchte nämlich schon lange nicht mehr 😉 Darum empfehle ich dir, dir einen schönen Marathon auszusuchen, diesen als Ziel zu nehmen und ihn dann auch zu laufen. Nur Mut!

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