Meine kleine Weihnachtsgeschichte

Vor vielen, vielen Jahren – in etwa, als ich 16 Jahre alt war – habe ich für Freunde eine kleine Weihnachtsgeschichte verfasst. Weil heute das Fest der Liebe ist, möchte ich diese Geschichte mit euch teilen (und entschuldige mich gleich vorab für den langen Text)! 🙂 Viel Spaß beim Lesen und frohe Weihnachten euch allen!

Steirerblut_und_Himbeersaft_Weihnachtsgeschichte_Der_Weihnachtsstern_Copyright_Heike_Rössler

 

Der Weihnachtsstern – ein Weihnachtsmärchen von Heike Rössler

Vorwort:

Weihnachten: das Fest der Liebe. Ein christliches Fest, das die Geburt des Herrn feiert. Doch Weihnachten hat es nicht immer gegeben. Diese Geschichte handelt von einer Zeit, in der die Menschen noch nicht einmal das Wort „Weihnachten“ kannten. Obwohl die Handlung im modernen Zeitalter festgelegt ist, ist der Messias noch nicht auf die Erde gekommen…

Es war zu jener Zeit einmal ein kleiner, unscheinbarer Stern, der, umgeben von Millionen und Abermillionen seiner Artgenossen, am Himmelszelt stand und leuchtete. Er war nicht besonders hübsch, strahlte nicht auffallend hell und hatte auch sonst keine hervorhebenden Eigenschaften. Er gehörte nicht einmal (und zwar sehr zu seinem Leidwesen!) einem der großartigen, prachtvollen Himmelsgebilde an, die wir Menschen so lieblos „Sternbilder“ nennen. Tieftraurig und betrübt; nur einer unter vielen seiend, stand er dort droben am Sternenhimmel und leuchtete aus Leibeskräften. Ach, wie beneidete er den strahlenden, von allen bewunderten Nordstern, den man von überall aus auf dieser Welt sehen konnte, den man bestaunte und dem all die anderen Sterne nacheiferten! Der kleine Stern schämte sich seiner; er wurde oft verlacht von seinen Sterngenossen, die dem großen oder kleinen Wagen angehörten.

Ja, sogar die Sterne aus dem Sternbild der Waage machten sich lustig über ihn. Minderwertig sollte er sein, unnütz und keiner, keiner würde es bemerken, würde er fehlen. Oft, wenn es Tag wurde und alle anderen Sterne schliefen, weinte er bittere Tränen und wünschte sich nichts sehnlicher, als jemand anderes zu sein oder auch nur einmal in den paar Sternjahren, die er noch vor sich hatte, von irgend jemandem beachtet zu werden! Der kleine Stern träumte davon, einen Namen zu bekommen, so wie all die anderen. Oder eine Sternschnuppe zu sein. Er würde über das Himmelszelt gleiten und die Menschen würden sich freuen und sich Wünsche wünschen bei seinem Anblick! Er hätte endlich auch ein bißchen Aufmerksamkeit.

Eines Nachts, kurz nachdem alle Sterne aufgegangen waren und der Himmel in ein tiefes Schwarzblau getaucht war, beschloß der Stern, zur Erde hinabzugleiten um zu sehen, ob man dort vielleicht einen mittelhell leuchtenden Stern ohne irgendwelche besonderen Fähigkeiten benötigte. So kam es, dass der kleine Stern ausgerechnet im tiefverschneiten Winter auf der Erde landete. Kalt war ihm und gegen die stockdunkle Nacht konnte sein spärliches Licht kaum etwas ausrichten. Hilflos stolperte er durch den Schnee, bis er zu einem Haus, das neben einem großen, düsteren Wald stand, kam. Vorsichtig setzte er sich aufs Fensterbrett und wagte einen Blick durch das kleine Fenster. Er erblickte einen kleinen Jungen, seine Mutter und seinen Vater. Sie saßen um das Feuer im Kamin herum und rösteten dabei ein paar Kastanien. Ach, wie schön warm muß es doch in dieser guten Stube sein, dachte der kleine Stern versonnen und fiel vor lauter Wonne mit einem leisen Plumps vom Fensterbrett in den tiefen Schnee. Keiner außer dem kleinen Jungen bemerkte das leise Geräusch draußen in der eisigen Winterlandschaft.

Neugierig öffnete der Junge die Tür und steckte seinen Kopf aus dem Türspalt, wobei ihm sogleich ein eisiger Wind das hellblonde Haar auf seinem Kopf zerzauste. Sofort entdeckte er das schwache Leuchten aus dem Schnee unterm Fensterbrett und ging darauf zu. Der kleine Stern, noch immer starr vor Schreck und Kälte, wusste nicht wie ihm geschah, als plötzlich zwei zarte Kinderhände nach ihm griffen, ihn sachte vom Schnee befreiten und ins warme Haus trugen.

Was machst du denn da, fragte die Mutter des Jungen, doch er antwortete ihr nicht und ging, den kleinen Stern unter dem Saum seines Hemdes versteckt, schnurstracks auf sein Zimmer. Wer bist du denn, fragte der kleine Junge. Ich bin ein kleiner Stern, aber ich bin hier auf der Erde weil ich jemand anderes sein möchte, antwortete der Stern. Was möchtest du denn gerne sein, wollte der Junge wissen. Der kleine Stern überlegte lange, ehe er resigniert zugeben musste, dass er das selber nicht so genau wusste. Als der Junge sah, wie traurig der Stern darüber war, beschloß er, ihm zu helfen. Am nächsten Morgen, zeitig in der Frühe, machte sich das ungleiche Paar auf dem Weg in die Stadt. Sie kamen vorbei an unendlichen Reihen von Schaufenstern, in denen die unglaublichsten Dinge feilgeboten wurden. Der kleine Stern, der zum erstenmal in seinem Leben Schuhe, Töpfe, Schränke und dergleichen sah, kam aus dem Staunen beinahe nicht mehr heraus. Bald schon erreichten die beiden den Laden des Bäckermeisters, wo der Junge Brot kaufen musste. Als sie das Geschäft betraten, wehte ihnen eine Duftwolke aus Zimt, Koriander und frischgebackenem Brot entgegen. Der kleine Stern atmete tief ein, sah sich um….und entdeckte eine große Schüssel, angefüllt mit Sternen!

Alle so groß wie er, nur glänzten sie nicht und hatten einen satten Braunton und oben drauf so etwas das aussah wie Schnee. Aufgeregt fragte der Stern den kleinen Jungen, was das sei. Das sind Zimtsterne, erklärte der Junge, die kann man essen – sie sind wunderbar süß und es gibt sie nur um diese Jahreszeit. Nein, ich will nicht gegessen werden, dachte der kleine Stern bei sich, hüpfte vom Arm des Jungen und lief hinaus aus dem Bäckerladen. So ein Zimtstern war zwar süß, aber so etwas wollte der kleine Stern dann doch nicht sein.

Er lief weiter und blieb vor einem Geschäft stehen, in dem viele bunte Stoffbahnen im Schaufenster hingen. Auf einigen davon waren auch Sterne abgebildet, viele davon, aber sie alle waren weiß und glanzlos. Sterne, die nicht glänzen und weiß sind, nein, sowas möchte ich nicht sein, dachte der kleine Stern und lief weiter.

Komische Dinger bewegten sich auf der Straße neben ihm. Wie von Zauberhand gezogen, aus glänzendem bunten Metall, wie Kisten, und darinnen saßen Menschen! Es gab große und kleine, rote und blaue, und der kleine Stern setzte sich auf den Randstein und beobachtete die fahrenden Kisten. Plötzlich entdeckte er einen Stern auf einem dieser Dinger, ganz am vorderen Ende.

Er lief ihm nach, denn dieser Stern war schöner als alle anderen, die er bisher auf der Erde gesehen hatte. Er war groß und glänzte silbern und war in einen Ring aus Silber gefaßt. Die Kiste blieb stehen und der kleine Stern sprang aufgeregt vor seinem Artgenossen hin und her, um auf sich aufmerksam zu machen. Doch der Silberstern glänzte nur weiter und sein lebloser Glanz erschreckte den kleinen Stern mit einemmal. Dieser Stern ist zwar wunderschön, aber er scheint sich nicht bewegen zu können, überlegte der kleine Stern, Nein, so etwas möchte ich auch nicht sein und lief weiter.

Außerdem, so stellte er fest, gab es viele von diesen Sternen auf den Kisten, die sich vorbeibewegten und dabei einen Höllenlärm veranstalteten. Damit wäre er wieder nichts besonderes. Tieftraurig lief er durch die Straßen dieser großen Stadt und musste schließlich einsehen, dass er wohl nie etwas Außergewöhnliches sein würde. Er bog in eine Seitengasse ein, in der war es dunkel und eng. Inzwischen wurde es Abend und es begann zu schneien. Mutlos ließ er sich in den Schnee fallen und weinte. Er weinte und jede seiner Tränen schien sofort zu Eis zu gefrieren, kaum dass sie sein Auge verlassen hatte. So saß er da und schluchzte und fühlte sich hundeelend. Allein und frierend und keiner vermisste ihn, so dachte er. Doch halt, damit lag er falsch. Gerade, als er sich dazu durchgerungen hatte, wieder aufs Himmelszelt zurückzukehren, erschien ein Mensch vor ihm.

Eigentlich sah es kein bißchen aus wie ein Mensch, viel schöner und ein warmes Licht ging von ihm aus, er schien innerlich zu leuchten. Auf dem Rücken hatte es zwei schneeweiße Flügel und war ganz ein weißes Gewand gehüllt. Seine Füße (die übrigens keine dieser komischen Lederumhüllungen, die hierzulande wohl üblich waren, trugen) schienen den Boden nicht zu berühren. Das Wesen sprach mit dem kleinen Stern, doch sein Mund bewegte sich nicht. Da bist du ja, ich hab dich überall gesucht, sagte das Wesen. Wer bist du, fragte der fassungslose kleine Stern. Ich bin der, der dich holen kommt, damit du eine wichtige Aufgabe übernimmst; du sollst drei weisen Leuten den Weg leuchten, sprach das Wesen (wieder, ohne auch nur ein bißchen seinen Mund zu bewegen). Ich? Ich leuchte doch nicht hell genug, klagte der Stern. Jetzt schon, sprach das Wesen und kaum war der Satz ausgesprochen, schaute der kleine Stern an sich herunter und war plötzlich geblendet von dem Licht, das von ihm ausging.

Du hast dir solche Mühe gegeben, jemand besonderes zu sein und bist dabei viele Risiken eingegangen, deshalb wollte Er dich belohnen mit der Erteilung dieser Aufgabe, erklärte das Wesen und nahm ihn bei der Hand. Überglücklich und außer sich vor Freude wehrte sich der kleine Stern nicht, als das Wesen höher und höher mit ihm aufstieg, bis sie schließlich am Himmelszelt angekommen waren; er fragte auch gar nicht nach, wer denn dieser ominöse „Er“ sei.

Der kleine Stern sah sich um und konnte es kaum fassen: er leuchtete sogar noch heller als der Nordstern! Nun, siehst du diese Männer dort unten auf Erden, fragte das Wesen und riss ihn abrupt aus seinen euphorischen Gedanken. Ja, antwortete der kleine Stern, sind das die Männer, die ich führen soll? Ja, sprach das Wesen, sie müssen in eine Stadt, die Jerusalem heißt, weil sie dort einen wichtigen Auftrag erfüllen müssen; schaffst du das? Das Wesen verschwand, ohne das begeisterte „Ja!“ des kleinen Sterns noch hören zu können, so schnell und unerklärlich wie es gekommen war. Das muß ein Engel gewesen sein, dachte der kleine Stern und machte sich auf den Weg, die drei Männer zu geleiten.

Drunten, auf der Erde, traf der kleine Junge auf drei seltsame Männer, die sich anscheinend verirrt hatten und ließen ihn für ein paar Minuten nicht an seinen seltsamen kleinen Stern, der plötzlich verschwunden war, denken. Sie waren äußerst seltsam gekleidet und hatten alle drei Geschenke bei sich. Sie schienen unterschiedlicher Rasse und Herkunft zu sein, doch hatten sie alle etwas seltsam königlich-anmutiges an sich. Der kleine Junge war eigentlich auf dem Weg nach Hause und als die Männer ihn nach dem Wege in eine ihm unbekannte Stadt fragten, blickte er zum Himmel und entdeckte den kleinen, nun strahlend hell leuchtenden Stern. Er lächelte die drei Männer an, wies mit einem Kopfnicken stumm himmelwärts und machte sich weiter auf, um nach Hause zu kommen.

Einmal noch blickte er hinter sich und sah, wie die Männer dem Stern folgten, jeder sein Geschenk in der Hand. Mutter, es ist ein Wunder geschehen, sprach der kleine Junge, zu Hause angekommen, lächelte und wünschte sich insgeheim, er wäre ein Stern.

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