MarS attacks – Jungdesignerin Marlen im Interview

Weil Mode mehr ist als nur die Massenware von der Stange, gibt es junge, aufstrebende Designerinnen wie Marlen Sabetzer-Till, die mit ihrem Label MarS Anfertigung unkonventionelle und tragbare Mode in Handarbeit herstellt. Im Interview mit Steirerblut und Himbeersaft verrät die 29-jährige Herbststraßen-Absolventin, warum sich WienerInnen gerne hinter ihrer Kleidung verstecken und was Architektur mit Schnitttechnik zu tun hat. 

Vor Kurzem in einer sonnendurchfluteten Altbauwohnung im sechsten Wiener Gemeindebezirk: Ich war zu Besuch im Atelier von Marlen Sabetzer-Till, um der Entstehung ihrer aktuellen Kollektion beizuwohnen und durfte der Jungdesignerin dabei über die Schulter schauen. Die gebürtige Steirerin fertigt dort ihre detailreichen Kleider, Blusen, Röcke und Handtaschen an und vertreibt diese anschließend auf Ihrer Webseite, bei Auferstanden und auf Design-Märkten.

Steirerblut & Himbeersaft: Marlen, wie hast du zum Modedesign gefunden? 

Marlen Sabetzer-Till: Im Grunde hat es mich gefunden. Als Tochter einer Handarbeitslehrerin und eines Vaters, der Kunst studiert hatte, wurde bei uns zuhause von Anfang an viel genäht, gestickt und gebastelt. Wenn man so wie ich mit Malerei und Schneiderei aufwächst, wird man vermutlich zwangsläufig kreativ! 🙂 Mein erstes selbst genähtes Stück war eine Handtasche, da war ich 13 Jahre alt. Aber bereits damals habe ich mir Gedanken über zusätzliche Elemente gemacht: Diese Detailverliebtheit spiegelt sich noch heute in meinen Designs wieder.

S&H: Und wann hast du beschlossen, dein eigenes Label MarS Anfertigung zu gründen? 

Marlen: Als ich von der Weststeiermark, wo ich aufgewachsen bin, nach Wien kam, studierte ich zunächst Theaterwissenschaften. Über Hospitanzen an unterschiedlichen Theatern entdeckte ich meine Liebe zum Design wieder und habe mich kurzerhand an der Modeschule Herbststraße beworben, um das Handwerk von Grund auf zu lernen – bis dahin hatte ich ja nur hobbymäßig geschneidert. Schnittzeichnen, Verarbeitungs-Techniken – all das musste ich noch lernen. Nach meinem Abschluss 2012 musste ich mich entscheiden – und habe nach einiger Überlegung mein eigenes Label MarS Anfertigung gegründet.

S&H: Wie schwierig ist es denn, als Jungdesignerin in Wien Fuß zu fassen?

Marlen: Aller Anfang ist schwer, deshalb habe ich anfangs auch immer wieder noch an anderen Projekten mitgearbeitet. Aber irgendwann möchte man das machen, was einen selbst glücklich macht und ich habe mich voll auf mein eigenes Label konzentriert. Und das Designen und das Nähen macht mir soviel Spaß – das hat mich, ehrlich gesagt, selbst überrascht. Sicher, zwischendurch hatte ich schon Zweifel, habe mich selbst gefragt: ‚Schaffst du das?‘ Aber wer kreativ sein will, muss das zu 110 % machen – das hat mir mein Vater mit auf den Weg gegeben – und deshalb bin ich umso glücklicher, sodass ich heute sagen kann: ‚Ich mach das einfach!‘

S&H: Wie würdest du den Stil der WienerInnen beschreiben?

Marlen: Wenn ich durch die Straßen Wiens gehe, sehe ich viele gedeckte Farben, weiche, fließende Stoffe wie Jersey und konventionelle Schnitte. Manchmal scheint es mir so, als wollten sie absichtlich nicht mit ihrer Kleidung auffallen – als wollten sie sagen „Schau mich bitte nicht an“ – als wollten sie sich mit der Masse vermischen. Das ist schade, denn es sind häufig attraktive Frauen, die es wert sind, Komplimente für ihre Kleidung zu bekommen.

S&H: Und mit deinen Designs bekommt frau Komplimente? 😉

Marlen: Ich meine ja, man wird damit auf jeden Fall wahrgenommen! 🙂 Ich mache Mode für starke, berufstätige Frauen, die fest im Leben stehen, die selbstbewusst sind und nicht ausschließlich Mode tragen wollen, die von der Stange kommt, sondern sich modisch auch mal etwas trauen. Frauen, die für ihre Kleidung Komplimente von anderen Frauen bekommen wollen. Ich orientiere mich bei meinen Schnitten häufig an architektonischen Formen: Klar und strukturiert, dabei aber perfekt an die Rundungen eines Frauenkörpers angepasst. Deshalb heißt mein Label ja aber auch MarS Anfertigung – mir ist es wichtig, dass meinen Kundinnen die Kleider perfekt sitzen. Zur Not lege ich auch nochmal Hand an ein fertiges Kleid, quasi als Service.

S&H: Das klingt vielversprechend, woher beziehst du denn deine Inspirationen?

Marlen: Wie gesagt, die Formen der Architektur in der Stadt inspirieren mich, und ich liebe die eleganten Zeichnungen von Karl Lagerfeld genauso wie die sportlichen Designs von Stella McCartney. Die Asymmetrie eines Dries van Noten zitiere ich teilweise auch in meinen Designs. Ich mag stilgebende Elemente, wie sie etwa auch bei meinem Drape-Dress oder beim Point-Dress zum Einsatz kommen. Was die Farbgebung meiner Stücke betrifft, so gehe ich gerne in die Natur hinaus – für die Herbstkollektion etwa habe ich mich von einer Landschaft im Burgenland inspirieren lassen: Die Farbe des Schilfs, der Gräser und der Seenlandschaft – all das wird sich in warmen Ocker- und Beigetönen widerspiegeln, abgerundet von Naturweiß und Graublau.

S&H: Eine abschließende Frage: Wo kann frau deine Stücke kaufen?

Marlen: Aufgrund des tollen Feedbacks, das wir auf unseren Spring Style Brunch bekommen haben, werde ich am 12. Juli beim Summer Style Brunch vertreten sein. Ich freue mich schon sehr, gemeinsam mit den Mädels von La Niña de mis Ojos, Amarna Kunsthandwerk und Papillonette zu plaudern und den hoffentlich zahlreichen Gästen meine neuen Unikate zu präsentieren! Außerdem freue ich mich schon sehr auf den 19. Juli, denn dann werde ich mit einem Stand auf dem Internationalen Designmarkt WAMP im Wiener Museumsquartier zu finden sein! 🙂

 

MarS Anfertigung – where to buy:

12. Juli, 11-16 Uhr: Summer Style Brunch // Gumpendorferstraße 80/5, 1060 Wien // Um Voranmeldung via Facebook-Seite wird gebeten!

19. Juli: WAMP Vienna // Internationaler Designmarkt. Vorplatz Museumsquartier Wien // Freier Eintritt!

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2 Gedanken zu “MarS attacks – Jungdesignerin Marlen im Interview

  1. Da sind ein paar schöne Kleidungsstücke dabei, habe schon auf ihrer Seite nachgeschaut 😉
    Und ein schönes Interview, das du mit ihr geführt hast! Ist immer wieder interessant mal eine andere Art von Blogpost zu lesen 🙂

    Gefällt mir

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