Heute brat‘ ich, morgen brau‘ ich…

…übermorgen hol ich der Königin ihr Kind! Doch Scherz beiseite: Ein bisschen schief angeschaut wurde ich von meinen Freunden doch, als ich ihnen erzählte, womit ich meine letzte Samstagnacht zugebracht habe. Nämlich mit dem Zubereiten eines Klassikers der österreichischen Küche: Dem Brathendl mit Semmelfüllung!

Nicht nur optisch ansprechend, sondern auch mit leckeren, klassischen Rezepten gefüllt: 'Frau am Herd' von Sarah Wiener. Erschienen im Knaur Ratgeberverlag. ISBN: 978-3-426-64828-5.

Nicht nur optisch ansprechend, sondern auch mit leckeren, klassischen Rezepten gefüllt: ‚Frau am Herd‘ von Sarah Wiener. Erschienen im Droemer Knaur Ratgeberverlag. ISBN: 978-3-426-64828-5.

Doch der Reihe nach: Dass die Poularde im Kühlschrank bald gebraten werden musste, war Fakt. Dass das Prozedere rund zwei Stunden in der Küche erfordern würde, auch. Doch deswegen das erste frühlingshafte Wochenende des Jahres statt im Freien in der Küche verbringen? Niemals! Es musste also nachts gebraten werden, um nur ja keine Sonnenstunde zu verpassen. Im Ofen lässt sich so ein fertiges Hendl übrigens am nächsten Tag rasch wieder aufwärmen ! Für mich eine vollkommen nachvollziehbare Idee, dennoch erklärte mich sogar meine Mutter für verrückt, als ich ihr von meinem nächtlichen Bratvergnügen berichtete! 😉

Das Rezept für das Brathendl mit Semmelfüllung stammt übrigens aus einem jener Kochbücher, die in den vergangenen Jahren ein Schattendasein in den Untiefen meines Bücherschranks zubrachten. Vollkommen zu Unrecht! Denn „Frau am Herd“ von Sarah Wiener enthält zahlreiche Klassiker der österreichischen Küche, darunter auch dieses Rezept. Leider musste ich bei meiner Recherche aber feststellen, dass das Werk leider mittlerweile vergriffen und nur mehr als gebrauchte Variante erhältlich ist, ich bin mir aber fast sicher, dass auch in ihrem neueren Rezeptbuch namens „Das große Sarah Wiener Kochbuch“ tolle Rezepte stehen!

Für das Hendl:

    • 1 großes Brathendl (ca. 1,2 bis 1,4 kg)
    • Salz, Pfeffer
    • Paprikapulver edelsüß
    • 4 EL Sonnenblumenöl
    • 4 EL Butter
    • Ca. 1/4 Liter Hühnerbrühe (für die Sauce)
Ja ich weiß, so eine ungebratene, nackte Poularde ist - milde ausgedrückt - nicht gerade ein Augenschmaus. Aber  1,5 Stunden bei 200° C machen einiges aus...

Ja ich weiß, so eine ungebratene, nackte Poularde ist – milde ausgedrückt – nicht gerade ein Augenschmaus. Aber 1,5 Stunden bei 200° C machen einiges aus…

Für die Semmelfüllung:

    • 2 Semmeln vom Vortag (oder ersatzweise ca. 100 g grobe Semmelwürfel)
    • 1/4 l Milch
    • 1 kleine Zwiebel
    • 2 Knoblauchzehen
    • 1 Bund Kräuter (ich habe Petersilie und Schnittlauch verwendet. Majoran und Salbei funktioniert laut Rezept auch)
    • 2 EL Butter
    • Innereien des Hendls (Herz, Leber, Magen – so vorhanden, das Rezept funktioniert auch ohne fantastisch)
    • 2 Eier
    • Salz, Pfeffer
    • 1 TL geriebene Schale einer unbehandelten Zitrone
Die Füllung für's Brathendl: Zwiebeln und Knoblauch anschwitzen und anschließend mit den Semmelwürfeln, Kräutern und Gewürzen vermengen. Ganz zum Schluss kommt das Ei hinzu, das für Bindung sorgt.

Die Füllung für’s Brathendl: Zwiebeln und Knoblauch anschwitzen und anschließend mit den Semmelwürfeln, Kräutern und Gewürzen vermengen. Ganz zum Schluss kommt das Ei hinzu, das für Bindung sorgt.

Zubereitung:

        1. Für die Füllung die Semmeln halbieren und in Milch einlegen. Zwiebel und Knoblauchzehen fein hacken und gemeinsam mit den Kräutern in einem Topf mit heißer Butter ausdünsten. Die Semmeln gut ausdrücken, in kleine Stücke zupfen und zu den Zwiebeln in die Pfanne geben. Kräftig umrühren und einige Minuten mitdünsten lassen. Anschließend vom Herd nehmen.
        2. Sofern vorhanden, die Innereien des Hendls sehr fein hacken oder pürieren. Zusammen mit den Eier sowie Salz und Pfeffer unter die Brötchenmasse mischen. Das Originalrezept sieht an dieser Stelle vor, dass die Schale einer Zitrone hinzugefügt wird – diesen Schritt lassen Zitronenphobiker wie ich allerdings aus! 😉
        3. Das Hähnchen innen und außen kalt abspülen und trocken tupfen. Die Bauchhöhle des Hendls mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen. Die Füllung in das Innere füllen, dabei aber darauf achten, dass das Hendl nicht überquillt (überschüssige Füllung habe ich in Rollenform  in eine Alufolie gehüllt und beim Braten neben das Hendl zum gelegt) und die Öffnung mit einem Zahnstocher verschließen.
        4. Den Backofen auf 200° C vorheizen. Etwas Salz, Pfeffer und Paprikapulver gemeinsam mit dem Öl verrühren und damit das Hendl rundherum bepinseln. Die Butter zerlassen und das Hähnchen mit der Brustseite nach unten in den Ofen schieben. So lange braten, bis der Rücken leicht gebräunt ist (das ist nach etwa 20 Minuten der Fall). Dabei das Hendl ab und zu mit Bratensaft begießen und zur Not mit Hühnerbrühe aufgießen.
        5. Das Hähnchen umdrehen und mit der Brustseite nach oben fertig garen, dabei immer wieder ab und zu mit Bratensaft begießen. Die gesamte Bratzeit des Hendls beträgt etwa 1 1/4 bis 1 1/2 Stunden, je nach Größe des Hähnchens. Es ist dann fertig, wenn sich das Fleisch leicht vom Knochen lösen lässt. Vor dem Servieren die Füllung in Scheiben schneiden und gemeinsam mit dem zerlegten Hendl auf Tellern anrichten.
        6. Für die Sauce den Bratensaft vom Bräter lösen und das Fett von der Oberfläche abgießen. Den Bratensaft in einer Pfanne aufkochen und etwas Brühe aufgießen. Abschmecken und getrennt vom Hendl servieren.
Das Warten hat sich gelohnt: Mein erstes Brathendl mit Semmelfüllung ist außen knusprig, innen zart und auch die Füllung lässt keine Wünsche offen! Mahlzeit! :)

Das Warten hat sich gelohnt: Mein erstes Brathendl mit Semmelfüllung ist außen knusprig, innen zart und auch die Füllung lässt keine Wünsche offen! Mahlzeit! 🙂

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